Frauen und Paare, die an
einem Mind-Body Programm
teilnehmen, sind gelassener
und haben nachweislich
bessere Bewältigungs-
fähigkeiten im Umgang mit
psychischen Belastungen.

Wussten Sie schon?

Dass Reproduktionsmediziner gehalten sind, ihren PatientInnen bereits vor Beginn einer Behandlung "Information, Aufklärung und Beratung" zu Themen wie u. a. psychische Belastung, mögliche Auswirkungen auf Paarbeziehung und Sexualität und mögliche depressive Reaktion bei Misserfolg zu geben? Darüber hinaus muss der behandelnde Arzt auf die Möglichkeit einer unabhängigen psychosozialen Beratung hinweisen (vgl. Richtlinie zur Durchführung der assistierten Reproduktion i. d. Fassung vom 5. Mai 2010, HÄBl. 6/2010, S. 392).

Generell liegt die natürliche Schwangerschaftsrate bei nur 20 - 25 % pro Zyklus
Auch bei vollkommen gesunden Paaren führt nicht jeder Geschlechtsverkehr automatisch zu einer Schwangerschaft. Bei zeugungsfähigen Paaren, die zum richtigen Zeitpunkt (Ovulation) Geschlechtsverkehr haben, liegt die Chance schwanger zu werden bei nur 20 - 25 % pro Zyklus. (vgl. F. Fischl, J. Huber: Moderne Sterilitätsbehandlung bei Kinderwunsch. Schweiz Med Forum, Nr. 19, 2003.) Dennoch sollten Sie, insbesondere wenn Sie als Frau über 30 Jahre alt sind, nicht länger als 1 Jahr warten, bevor Sie sich ärztlich untersuchen lassen. Wenn Sie 35 Jahre oder älter sind, warten Sie nicht länger als 6 Monate. Nicht sofort schwanger zu werden kann die unterschiedlichsten Gründe haben, aber Sie brauchen die Gewissheit, um sich ggf. auch medizinisch behandeln zu lassen.

Alter neben Stress und Umwelteinflüssen wichtigster Fruchtbarkeitsindikator
Im Durchschnitt glauben Frauen zwischen 18 und 45 Jahren fälschlicherweise, dass erst ab einem Alter von 38 Jahren die Fähigkeit schwanger zu werden, deutlich zurückgeht (GFK-Roper-Studie 2005).

Tatsächlich sinkt die Schwangerschaftsrate bereits ab dem 30ten Lebensjahr. Eine entsprechende Studie ergibt, dass 75 % aller Frauen im Alter von 30 Jahren innerhalb eines Jahres schwanger werden. Im Alter von 35 Jahren liegt der Prozentsatz nur noch bei 66 % und im Alter von 40 nur noch bei 44 %. (Leridon, H. (2004): Can assisted reproduction technology compensate for the natural decline in fertility with age? A model assessment. Human Reproduction 19, 1548-1553.) Zwischen dem 40ten und 45ten Lebensjahr haben Frauen im Durschschnitt nur noch eine Chance von 10 % schwanger zu werden, danach sinkt diese auf 3 - 5 %. (vgl. F. Fischl, J. Huber, Schweiz Med Forum, Nr. 19, 2003). Jugendliches Aussehen, Fitness etc. haben dabei - leider - keinerlei Einfluss auf die biologischen Fakten: Abnehmende Anzahl und Qualität der Eizellen. Aus diesem Grund haben IVF-Behandlungen ab dem 43. Lebensjahr kaum Aussicht auf Erfolg.

Dies sind die statistischen Zahlen: Es kann durchaus sein, daß Sie auch mit 40 Jahren noch problemlos auf natürlichem Wege schwanger werden können - aber es kann auch anders sein; über einen Bluttest kann man Rückschlüsse über die Eizellreserve bzw. die eigene Fruchtbarkeit erhalten.

Die Gründe für Unfruchtbarkeit bei Männern und Frauen
10 - 15 % aller Paare im zeugungsfähigen Alter in Europa sind von Unfruchtbarkeit betroffen, dabei liegen die medizinischen Gründe zu jeweils ca. 40 % bei der Frau und/oder beim Mann, in ca. 20 % der Fälle sind keine medizinischen Gründe feststellbar, man spricht hier von idiopathischer (unerklärter) Infertilität. In solchen Fällen ist es wichtig, eventuelle psychische Faktoren - wie z.B. chronischer Stress - zu klären. Es ist daher in jedem Fall wichtig, daß sich beide Partner gründlich untersuchen lassen, um die möglichen Ursachen einer ungewollten Kinderlosigkeit feststellen zu können. Viele Beschwerden, die unbehandelt eine Kinderlosigkeit zur Folge haben, können so erkannt und u. U. beseitig werden. (Informationsblatt für Freunde und Angehörige von Frauen und Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch)

Zwillinge sind auch für die Repromedizin die Ausnahme - nicht die Regel!
Vielen Frauen und Paaren, die lange auf ein Kind warten mussten, erscheint der Hinweis, daß eine IVF bei einem Transfer von mehreren Embryonen zu einer Mehrlingsschwangerschaft führen kann, kaum problematisch oder gar angenehm. Die menschliche Gebärmutter ist aber nicht auf Mehrlingsschwangerschaften eingerichtet; ein normales Geburtsgewicht sind ca. 3500 g - es leuchtet ein, daß hier natürliche Grenzen gesetzt sind, die bei Mehrlingen zu Problemen führen. Mögliche Risiken bei Zwillingsschwangerschaften sind aber nicht nur das geringe Geburtsgewicht der Kinder und dementsprechende Entwicklungsdefizite. Weitere mögliche Schwangerschaftsprobleme sind z. B. Bluthochdruck, erhöhtes Risiko von Fehl- und Frühgeburten und Kaiserschnitt-Entbindungen sowie die höhere finanzielle und emotionale Belastung durch Zwillinge. An dieser Stelle darf m. E. auch nicht der Hinweis fehlen, daß der in den meisten Ländern erlaubte Transfer von bis zu drei Embryonen nicht zur Erreichung einer Mehrlingsschwangerschaft durchgeführt wird, sondern um die Chancen auf eine Schwangerschaft an sich zu erhöhen. (Informationsblatt Risiko Mehrlingsschwangerschaften nach ART)

Eizellspende im Ausland
Für Paare, die mit Hilfe der IVF keine Schwangerschaft erreichen können, sind aufgrund der Bestimmungen des Embryonenschutzgesetzes die Behandlungsmöglichkeiten einer ungewollten Kinderlosigkeit in Deutschland erschöpft. Viele Betroffene, insbesondere alleinstehende Frauen, aber auch Paare suchen dann ausländische Kliniken auf, in denen z. B. die Eizellspende angeboten wird. Hier ist es wichtig, möglichst vorab unabhängige Informationen hinsichtlich der finanziellen und rechtlichen Aspekte der Behandlung einzuholen, und auch emotionale Unterstützung vor und während der Behandlung sicherzustellen. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für die Vorbereitung und suchen Sie professionelle Hilfe bei der Begleitung einer Auslandsbehandlung. Informationsblatt Tavelling Abroad

Zum Thema Adoption
Für viele von ungewollter Kinderlosigkeit betroffene Frauen und Paare ist der Hinweis auf die alternative Lösung ihres Problems durch eine Adoption eine Frage des richtigen Zeitpunkts. Es ist ein langer Prozess von der Diagnose Unfruchtbarkeit über die Inanspruchnahme künstlicher Befruchtung bis hin zu der Erwägung von Alternativen nach erfolglosen Behandlungsversuchen. Der zu frühe Hinweis durch wohlmeinende Freunde, Berater oder Mediziner auf die Möglichkeit einer Adoption wird - verständlicherweise - oft als Kränkung erlebt. Dennoch ist es wichtig, sich möglichst frühzeitig auch mit dieser Möglichkeit zu beschäftigen. Denn die Voraussetzungen für eine Adoption in Deutschland sind wiederum frustrierend restriktiv: Unverheiratete und/oder homosexuelle Paare und Alleinstehende haben deutlich geringere Chancen auf ein Kind als Ehepaare, die Altersgrenze für die Adoption von Babys und Kleinkindern liegt unter 40 Jahren (optimalerweis sollten Sie nicht älter als 35 Jahre alt sein) und die Wartezeit vom Erstantrag bis zur eigentlichen Vermittlung beträgt im Durchschnitt 3 Jahre. Darüber hinaus stehen sich lauf GEZ (Gemeinsame Zentrale Adoptionsstelle) in Deutschland derzeit 3000 Adoptionen und 24.000 Bewerber gegenüber. Unproblematischer ist u. U. eine Auslandsadoption. Informationen zum Thema Adoption

Iris Wieg, Dipl.-Soziologin,
Systemische Therapeutin (IGST)
zertifizierte Beraterin der Deutschen Gesellschaft für Kinderwunschberatung
(BKiD e. V.) www.bkid.de

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